Systemische Hörtherapie
Die Systemische Hörtherapie ist eine Weiterentwicklung der von Dr. A. Tomatis begründeten Tomatis-Methode.
Seine seit der Mitte des letzten Jahrhunderts formulierten Forschungsergebnisse und Therapiemethoden haben in vielen Bereichen unverändert Gültigkeit. Sie werden in der Systemischen Hörtherapie nach modernen und wissenschaftlichen Erkenntnissen angewandt.
Hören
Im Konzert der verschiedenen Sinne und Subsysteme des Menschen legt die Systemische Hörtherapie ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung des Hörens. Das auf Kommunikation angelegte Hören hat im menschlichen Werdeprozess eine besondere Stellung. Schon im vorgeburtlichen Leben formen Klang und Rhythmus unsere Entwicklung. Im Klangraum Mutterleib erlebt das Kind die mütterlichen Geräusche. In besonderer Weise tritt dabei die Stimme der Mutter in den Vordergrund. Sie weckt Aufmerksamkeit und Interesse. Sie sensibilisiert für Sprache und weckt die Lust auf menschliche Kommunikation.
Hinzu kommt, dass das Ohr als Gleichgewichts- und Hörorgan zwei Sinne miteinander vereint. Es wirkt sowohl als nach außen gerichteter, wie auch nach innen gerichteter Sinn. Der Gleichgewichtssinn organisiert den Körper in der Bewegung. Auch der Hörsinn ermöglicht die Eigenwahrnehmung des Körpers, denn hörend erleben wir unsere Stimme. Wir entdecken und gestalten auf diese Weise unsere kommunikativen Ausdrucksmöglichkeiten. Über das Hören erfassen wir aber auch den Außenraum. So erweitert der Hörsinn das Körperschema um das Raumschema und schafft Lust, Informationen von dort aufzunehmen, mit anderen Menschen zu kommunizieren.
Therapie als Entwicklungsbegleitung
Wenn der Hörsinn so sehr Kommunikation ermöglicht, dann ist Kommunikation auch ein entscheidender Faktor in der Therapie. Der erste und wichtigste Schritt ist die gelingende Kontakt- und Beziehungsaufnahme zum Kind, den Eltern oder dem Erwachsenen. Der zweite Schritt liegt in dem Erkennen der individuellen Stärken und Schwächen, wobei von Anfang an das Augenmerk auf die vorhandenen Ressourcen liegt. Therapie ist eine Entdeckungsreise zu den inneren Schätzen, dem Entwicklungspotential, um daraus das Leben kreativ und selbstbewusst zu gestalten. Diese Entwicklungsreise wird in der Systemischen Hörtherapie besonders gefördert und unterstützt durch Hören speziell ausgesuchter und bearbeiteter Musik, aktiven Übungen und ausführlichen Gesprächen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Kombination der Hörtherapie mit kunsttherapeutischen Methoden.
Entstehung der Systemischen Hörtherapie
Die Systemische Hörtherapie ist eine Weiterentwicklung der von Dr. A. Tomatis in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts geschaffenen Hörtherapie. Dr. A. Tomatis hatte schon in den fünfziger Jahren das Hören mit kybernetischen Denkmodellen untersucht. Dabei konnte er als erster den Zusammenhang von Hören und Stimmklang (heute als audio-vokale Schleife bekannt) wissenschaftlich nachweisen. Eine weitere wissenschaftliche Pionierleistung für die Entdeckung und Erforschung des vorgeburtlichen Hörens. Dr. A. Tomatis hat seinen Forschungsansatz "Audio-Psycho-Phonologie" genannt. Damit war der Zusammenhang von Hören, psychischer Verarbeitung und Kommunikation bezeichnet. Die Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren mit dieser Methode gewonnen wurden und neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sind in das Konzept der Systemischen Hörtherapie eingeflossen.
Die wesentlichen technischen Apparate und methodischen Verfahren für die Tomatis-Therapie wurden vor ca. 40 Jahren entwickelt. Charakteristische Aspekte dieser Behandlungsmethode sind:
- eine intensive und individuell angepasste Klangstimulation des Hörsinnes in einem methodisch begründeten Verfahren
- die simultane Übertragung der Musik über Luft- und Knochenleitung
- die Verwendung speziell ausgesuchter Musik: sinfonische und konzertante Werke von W.A. Mozart, gregorianische Gesänge und ggf. eine Aufzeichnung der Stimme der eigenen Mutter
- Diese Musik wird mit speziellen elektronisch gesteuerten Verstärker- und Filtersystemen bearbeitet. Hier sind besonders die Klangwippe und die Methode der Hochpassfilterung zu nennen.
Das ursprüngliche Konzept von Dr. A. Tomatis wurde in der Systemischen Hörtherapie weiterentwickelt und bereichert:
- Neue diagnostische Verfahren ergänzen und verfeinern die von Dr. A. Tomatis entwickelte Diagnostik.
- Zielsetzung, methodisches Vorgehen und auch die Einbindung der Systemischen Hörtherapie in ein ganzheitliches therapeutisches Konzept sind von neuen neurobiologischen und neuropsychologischen Forschungsergebnissen geprägt.
- Der therapeutischen Beziehung zwischen Klient und Therapeut wird ein hoher Wert beigemessen.
- Die technischen Apparaturen sind bezüglich der klanglichen Eigenschaften und der Bearbeitungsmöglichkeiten optimiert worden. Die neue digitale Technik schafft für die Therapie eine Fälle neuer Möglichkeiten für ein differenziertes Arbeiten.
