Audio-Psycho-Phonologie - 3 Tore
Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Professor Dr. Alfred A. Tomatis hat die Wechselwirkungen zwischen Hören, Psyche, Körper und Stimme erforscht. Er hat einen neuen Wissenschaftszweig begründet, die Audio-Psycho-Phonologie.
Er formulierte wichtige Erkenntnisse:
Das Ohr als Tor zur Welt
Der Mensch hört bereits 4 1/2 Monate vor seiner Geburt. Schon zu dieser Zeit ist das Ohr voll ausgebildet und der Hörnerv funktionsfähig. Besonders wichtig für das Kind im Mutterleib ist, neben dem Herzschlag und Atemrhythmus, die Stimme der Mutter. Der Fetus nimmt genau ihre Melodie, ihren Rhythmus, ihre Stimmung wahr und reagiert darauf. Zum ersten Mal entscheidet sich: Will ich hören? Kann ich vertrauen? Oder muss ich mich schützen?
Gelingt diese erste Kommunikation, so wird das Ohr bereits vor der Geburt ein Tor zur Welt.
Das Ohr als Tor zum Körper
Im Innenohr sind auf engstem Raum zwei Sinnessysteme untrennbar miteinander verbunden: Erstens die Hörschnecke, die die Aufgabe hat, Schallwellen aufzunehmen und als energetische Impulse weiterzuleiten. Zweitens im gleichen Knochen eingelagert das Gleichgewichtsorgan. Dieses ist an der Steuerung aller Skelettmuskeln des Körpers beteiligt. Es ist mitverantwortlich für die Körperhaltung, das Körperbild und die Orientierung im Raum, die Fein- und Grobmotorik.
Vor allem das Hören rhythmisch betonter, tiefer Frequenzen löst eine Mitreaktion im Gleichgewichtssystem und im Kleinhirn aus.
Über das Ohr, über Musik können wir also auch die Körpermotorik beeinflussen.
Das Ohr als Tor zum Sein
Allen Kulturen ist die Vorstellung eigen von einer Sphärenharmonie, einem Klang, nach dem sich das All bewegt. "Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang" heißt es bei Goethe. Musik ist aber nicht denkbar ohne die Pause zwischen den Tönen. "Music comes next to silence" sagt ein indischer Weiser. Durch die Erfahrung von Stille, von Meditation kann das Ohr ein Tor zum Sein werden.